Von Vincenzo Bellini, 1801 bis 1835, dem begnadeten Opernkomponisten, gibt es nur wenige Instrumentalkompositionen, die fast ausnahmslos in der Zeit von 1819 bis 1825 in Neapel entstanden sind. In diesen Jahren nahm Bellini am dortigen Collegio San Sebastiano Unterricht, und sein Lehrer Nicolò Zingarelli gab ihm folgenden Ratschlag: Wenn deine Kompositionen gut zu singen sind, werden sie gefallen. Wenn du stattdessen Harmonien, doppelten Kontrapunkt, Fugen, Kanons, Noten und Gegennoten anhäufst, wird man dich, wenn überhaupt, in einem halben Jahrhundert loben, aber das Publikum wird dich auf jeden Fall strafen. Denn es will Melodien, immer nur Melodien. Schreibst du Melodien, wirst du Erfolg haben. Andernfalls endest du in einem unbedeutenden Nest als Organist. Diesen Rat beherzigte Bellini, und Zingarelli sollte Recht behalten, das Publikum liegt ihm bis heute wegen der Schönheit und Macht seiner Melodien zu Füßen.
Das Es-Dur Konzert des Melodienzauberers, das
ursprünglich für die wendigere Oboe geschrieben wurde, setzt ganz besondere Fähigkeiten
des Trompeters in der Gestaltung, Virtuosität und Klangsensibilität voraus, die er im
Wettstreit mit der Orgel vom zweiten Satz Allegro bis zum brillanten Finale steigert.